DMX
DMX (=Digital Musik eXpress) ist ein kommerzieller Anbieter von Sparten-Musikkanälen und
in Deutschland ca. seit 1996 bekannt, als begonnen wurde, seine Musikkanäle über das damals sich etabalierende Astra-Digital-Radio zu verbreiten und dafür einen eigenen Verschlüsselungsstandard zu verwenden. In der ADR-Anfangsphase waren die zum Empfang erforderlichen Entschlüsselungsmodule in einem großen Teil der damals verkauften Geräte enthalten. Da es für Pay-Audio mit dieser Technologie keinen anderen Abieter gab und gibt, steht DMX auch als Synonym für diesen inzwischen nicht mehr genutzten Verschüsselungsstandard und wird auch als Bezeichnung für Pay-Audio-Kanäle via ADR verwendet.
Was stört(e) mich an DMX und inhaltlich ähnlichen Angeboten wie MCE?
Problematisch am DMX fand ich,
daß ein einziger Anbieter als Monopolist per Automat die Auswahl
der zu spielenden CD's trifft und jede Form der Kommunikation durch Berieselung
ersetzt. Das schien dazu zu führen, daß dort jeweils die Top
50 der betreffenden Musikrichtung ähnlich der CD-Auswahl eines mittelmäßigen
Plattenladen gespielt werden aber Inovationen und kleinere Labels auch
dort wenig Chancen bekamen. Mein 10 Tages-Intensiv-Test hatte meine schlimmesten
Befürschtungen übertroffen: Da lief z.B. unter der Kennung "Deutschrock"
ein Programm mit einer deutschsprachigen Mischung zwischen Pop, Liedermachern
und diversen Titeln aus den Archiven von Amiga. Nicht, daß ich letzteres
nicht durchaus gerne höre, aber das Thema war halt irgendwie verfehlt.
Allerdings gab es durchaus einige Kanäle mit Musikfarben, die auch
ich eine längere Zeit nebenher laufen lassen würde. Doch dafür
jeden Monat 20,- DM löhnen, halte ich für unangemessen.
Offensichtlich ist der größte Teil der angepeilten Zielgruppe
einer ähnlichen Meinung, wie ich, denn immer wieder häuften sich
Gerüchte oder Meldungen, daß der Anbieter finanzielle Probleme
hat - das Konzept "Musikteppich" pur scheint zumindest hierzulande kein
ausreichendes Interesse zu finden. Er hatte infolgedessen seinen europäischen
Ableger/Betreiber an die Geschäftsführung verkauft. In
der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1997 sind nun wegen der Gesamtvollstreckung
dieses europäischen Betreiber/Anbieters des weiterhin in den USA "produzierten"
Angebotes von DMX alle seine in Europa verbreiteten Programme abgeschaltet
worden. Und ein ernsthafter potenter Sponsor für die Übernahme
der Verluste ließ sich offensichtlich auch im Nachhinein trotz anfänglicher
gegenteiliger Bekundungen des Ex-Betreibers und der deutschen Vertiebsfirma
nicht finden.
Sicherlich pokerten da im Hintergrund auch diverse Medienkonzerne,
die DMX oder deren Konkurrenten als eines der wenigen Audio-Angebote in
die DVB-Plattform (DVB=Digital Video Broadcasting) integrierten und einem
von DVB unabhängigen, aber preisgünstigeren Medium für Audioprogramme
ablehnend gegenüberstehen. Ein nicht sehr sinnvolles Unterfangen,
denn wer sich für DVB entscheidet hat in den seltensten Fällen
Interesse für spezielle Audio-Angebote.
Etwas interessanter wären Angebote wie DMX dann, wenn es tatsächlich
unterschiedliche Anbieter von kostenpflichtigen Radio-Programmen (und sei
es nur durch die Weiterverbreitung von für eine Minderheit auch auf
anderen Wegen empfangbaren und auf jeden Fall moderierten Programmen) gäbe
ähnlich der Entwicklungen beim Pay-TV, aber sowas dürfte sowohl
unter wirtschaftlichen, als auch unter medienpolitischen Gesichtspunkten
kaum eine Chance haben.
Ein DMX ähnliches Berieselungs-Konzept (MCE = "Musik Choice Europe")
mit qualitativ noch eingeschränkterer Auswahl im Vergleich zu DMX
wird auch von einigen Medienkonzernen (ich bin mir nicht ganz sicher, aber
ich glaube unter maßgeblicher Beteiligung von Bertelsmann) für
Kabelverbreitung getestet, aber auf anderer technischer Grundlage und immernoch
mit noch wenig praktischer Relevanz (außer eines Werbekanals im
hessischen DAB-Pilot-Projekt). Für Verbreitung über Satelliten
scheinen sie außschließlich auf die DVB-Plattform zu setzen.
Kurz nach dem Abschalten der DMX-Programme innerhalb von Leo Kirch's
Digitalem Fernsehen, wurden dort die Audio-Kanäle durch MCE ersetzt.
Soweit meine Eindrücke von Mitte 1997.
Nachspiel 1 (Herbst 1998): Was seit dem Ableben von DMX Europe geschah
Lange Zeit war ungewiß ob und wann nach dem Konkurs von DMX Europe
in absehbarer Zeit wieder vergleichbare Pay-Programme über ADR empfangbar
sein werden. Ende November oder Anfang Dezember 1998 hat nach über einem
Jahr Sendepause der Nachfolger eXtra-Music ein umfangreiches Audio-Paket
im DVB-Modus aufgeschaltet, das bis Ende 1998 oder Anfang 1999 unverschlüsselt im Testbetrieb
lief und seitdem sein Angebot in dem in Deutschland bisher nicht
gebräuechlichen (aber wohl zuverlässigeren) Verschlüsselungsverfahren Viaccess codieret. Ein Abonement ist jetzt noch deutlich teurer, es kostet wohl 99,- DM im Monat und Privatkunden gehören offensichtlich nicht zur Zielgruppe.
Damit scheint engültig klar, daß es über ADR kein Pay-Radio
mehr geben wird, da die Rechte für das Verschlüsselungsverfahren
angeblich bei DMX liegen sollen, ADR-Geräte keine anderen Verschlüsselungsverfahren unterstützen und viele neuere ADR-Empfänger überhaupt kein Verschlüsselungsmodul mehr enthalten.
Nachspiel 2 (Sommer 1999): Ein letzter vergeblicher Wiederbelebungsversuch
Im Juli 1999 scheiterte der Versuch des MDR (oder eines Kooperationspartner des MDRs), das DMX-Verschlüsselungsverfahren für ein eigenes Programm zu nutzen. Das Programm "UG-Radio", (=Umwelt- und Gesundheitsradio) war einige Wochen unverschlüsselt über ADR zu empfangen. Man wollte das Programm an Arztpraxen verkaufen und Lagerbestände von ADR/DMX-Empfängern der ersten Generation nutzen. Das Programm wurde aber kurz vor der von der zuständigen Landesmedienanstalt gesetzten Frist für den Beginn der Verschlüsselung wieder abgeschaltet, weil offensichtlich mit den Patentinhabern des Verschlüsselungsverfahrens keine Einigung möglich war....
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© Hagen Kliemann
