Zu Erinnerung an DSR

Geschichte und vergebliche Diskussion über Fortbestand und Perspektiven siehe unten,
Hinweise zur Abschaltung am Ende

 Die älteste für den individuellen Gebrauch in Deutschland verfügbare Digitalradionorm war das traditionelle, 1989 gestartete sogenannte "DSR"-Paket, welches am 15 Januar 1999 abgeschaltet wurde. DSR heißt Digitales Satellitenradio. Hierfür war ein spezieller Empfänger erforderlich (der häufig Dekoder und Satellitenempfänger integriert). 16 Radioprogramme wurden digital verpackt über einen Satellitentransponder übertragen und im Kabelnetz der Deutschen Telekom auf 118MHz (Kabelkanal S2/3) weiterverbreitet.
Als immer mehr DSR-Programme auch über ADR empfangen werden konnten, war es für den SAT-Direktempfang bezüglich des Programmangebotes uninteressant geworden und so haben die Marktgesetze DSR zunächst für den Satelliten-Direktempfang zur Radiogeschichte werden lassen. :-(( Die am 18. November 1996 erfolgte DSR-Abschaltung des Programms RadioRopa (welches bis ca. 1994 in einzelkämpferischer Manier zumindest ein wenig Bekanntheit von DSR geschaffen hat, sich inzwischen zwiegeteilt hat, dessen einer Teil unter dem Namen Oldie FM zu einem der sächsischen CDU nahestehenden Provinz-Komerz-Radio herabgesunken ist, und der andere zwischenzeitlich auf ADR und DAB in Sachsen-Anhalt ein informationsorientiertes Programm namens Radiropa261 gestartet hat), schien eine erste Konsequenz dieser Marktgesetze zu sein.

 Zur Berliner Funkausstellung 1990 ganz groß mit Pauken und Trompeten gestartet, wurde bis 15. Januar 1999 jedenfalls genau ein Paket aus 16 Radio-Programmen mit dieser DSR-Technik über den Satelliten Kopernikus 1 FM 3 auf der Orbitposition 23,5 Grad Ost, auf der Frequenz 12,625 GHz horizontal verbreitet.  Bis Ende 1994 war das selbe DSR-Paket auch über den Hochleistungs-Satelliten TV-Sat-2 abgestrahlt worden und dort deutlich einfacher, als hier für Kopernikus geschildert, empfangbar.

Die Empfangstechnik

[Anmerkung: Die Ausführungen können partiell auch heute noch auf viele anderen Kombinationslösungen beim Sat-Empfang mit anderen digitalen oder analogen Verfahren übertragen werden]

Die Satellitenschüssel

Zum Empfang war ein Schüsseldurchmesser von mindestens 60 cm (wie auch beim Astra-Empfang üblich) Durchmesser erforderlich und ausreichend. Bei den Kombinationslösungen war allerdings für stabilen Empfang ein etwas größerer Spiegel (80 cm) zu empfehlen. Interessant war eine Schiellösung (heute "Multifeed"-Lösung genannt), bei der ein zusätzlicher LNB auf einer Astra-Antenne montiert wird und die inzwischen für kombienierte Astra/Eutelsat-Hotbird-Anlagen sehr beliebt ist.
Die andere Alternative (falls nicht ausschließlich DSR-Empfang gewünscht wurde) war entweder eine echte drehbare Anlage oder ein sogenanntes Multisat-System mit einem Himmelsspektrum von 10 bis 15 Grad, bei der nicht die gesamte Schüssel gedreht wird, sondern nur der LNB vor dem Spiegel hin und her bewegt wird, um auf den gewünschten Satelliten zu schielen.
Schwierig war in den letzten beiden Jahren die exakte Ausrichtung der Satelliten-Schüssel, wenn kein Feldstärkemeßgerät zur Verfügung steht, da keinerlei analoge Fernsehprogramme mehr als Orientierung für die optimale Ausrichtung mehr genutzt werden konnten.

LNB und deren Ansteuerung

In jedem Fall war für den DSR-Empfang über Kopernikus neben dem speziellen Empfänger auch ein für den 12,5 GHz-Bereich taugliches LNB (Astra 1A bis 1D und Eutelsat senden derzeit vor allem im 11 GHz-Bereich, lediglich die Franzosen nutzen auf ihren Telekom-Satelliten 12,5 GHz ebenso auch die meisten DVB-Pakete !) erforderlich. Eine kleine Schwierigkeit gab's mit den seit ca. 1996 für's Digital-TV auf dem Markt befindlichen Dual-Band- oder Universal-LNB's mit erweiterten Empfangsfrequenzbereichen (f. Astra 1A-F, d.h. von 11 bis 12,5 GHz). Bei denen wird meist ein 22kHz-Signal für die Umschaltung des Frequenzbereichs benötigt, das der Receiver nicht erzeugen konnte. Und wenn die LOF des LNB ungünstig war hatte der DSR-Empfänger (wie mein ehemaliges Exemplar) Schwierigkeiten mit dem ganz früher üblichen, eingeschränkten Zwischenfrequenzen von 950 bis 1750 MHz das Signal noch zu verarbeiten. Beholfen hatte ich mir mit einem zusätzlichen Frequenzumsetzer wie jene, die für den Empfang von Astra 1D mit alten Empfängern im Handel waren. Besser wäre nach einem alten 12,5 GHz-LNB zu suchen, es sei denn mensch war bereits Besitzer eines DVB-Empfängers und wollte überflüssigerweise auch die digitalen Fernsehprogramme von Kopernikus empfangen.

Der eigentliche DSR-Enpfänger

Es sind mir grundsätzlich zwei Arten von Empfängern bekannt, die jeweils für einen speziellen Empfangsweg konzipiert waren. Die erste Variante war speziell für den Kabelempfang konzipiert und hat meist einen von ca. 50 bis 850 MHz durchstimmbaren Kabeltuner. Die zweite Variante war für den SAT-Direkt-Empfang gedacht, hatte einen eingebauten Satellitenempfänger, an den die Außeneinheit direkt angeschlossen werden kann (war zu TV-SAT2-Zeiten besonders interessant - hehehe, wer braucht so eine kleine Flachantenne? ;) ). Außerdem haben diese Empfänger zusätzlich einen starren 118MHz-Eingang zum Anschluß ans Telekom-Kabel.
Wenn die erste Variante für den Satellitendirektempfang genutzt wurde, war zusätzlich ein Satelliten-Empfänger mit 480MHz-Ausgang erforderlich (mir ausschließlich von der Fa. Grundig bekannt). Beim Angeschluß der  zweiten Variante ans Kabel ging das beim Telekom-Kabel problemlos, weil die 118 MHz  der Standard waren. Pläne einiger Landesmedienanstalten eine Verlagerung von DSR ins Hyperband verlangen, wurden wieder verworfen. Für einen solchen Fall war in früheren Jahren von Herstellern (TechniSat), die sich seit Jahren schon aus DSR wieder zurück gezogen hatten, in der Bedienungsanleitung ein Konverter angekündigt worden.

Fazit zur DSR-Empfangstechnik

Technisch wesentlich einfacher als der Satellitendirektempfang über Kopernikus war, wie oben schon erwähnt mit kabeltauglichen Geräten der Empfang dieser Programme über das Telekom-Kabel, wo dieses eine einzige DSR-Paket auf 118 MHz bundesweit bis zu dessen Abschaltung weiterverbreitet wurde. DSR hätte deshalb zwischen 1994 und 1998 eigentlich "Digitales Kabelradio" heißen! Für den Satellitenempfang war trotz technologisch bedingter qualitativer Nachteile ADR vom Programmangebot her eine inzwischen bereits der bessere Ersatz. Kabelhörern bleibt nur eine überteuerte D-Box für die gegenüber ADR eingeschränkte DVB-Radio-Auswahl.

Geschichte von DSR

Das erste (und bis auf zeitweilige regionale Ausnahmen einzige) DSR-Paket startete 1990 auf der Berliner Funkausstellung und wurde damals als DAS Radio der Zukunft gefeiert. Überragend und immernoch unübertroffen waren seine unverfälschte Klangqualität, weil keinerlei Kompressionsverfahren bei der Übertragung verwendet wurde. Um diese Qualität zu Nutzen wurden zunächst seitens der ARD bevorzugt Klassik- und Kulturprogramme aufgeschaltet. So bildete sich wohl eine elitäre, aber wohl aus heutiger Sicht zu kleine und für's Überleben nicht tragfähige DSR-Hörer-Gemeinde heraus. Medienpolitische Blokaden und fehlende Propagierung des Verfahrens durch den Betreiber auf der einen Seite, hohe Kosten für Programmveranstalter, den Betreiber und für die Endgeräte (Die Empfänger kosteten noch bis ca. 1995 noch 500 - 1000 DM) verhinderten eine breite Akzeptanz des Verfahrens.
Die Verteilung der 16 Programmplätze regelte ein Medienstaatsvertrag, der die Vergaberechte der Programm-Plätze auf  die einzelnen Bundesländer aufschlüsselte. Verkomplizierend kam hinzu, daß es eine Parität zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Angeboten geben sollte. So blieben oft einige Programmplätze vakant und insbesondere für private Anbieter vorgesehene Plätze wurden dann nicht dafür lizensierten oder nicht zahlenden Anbietern überlassen, aber selbst Programme, wie das damals auch bei mir recht beliebte und noch unverbrauchte Radio FFN (das bereits in der Früzeit ca. 1994 das Paket verließ) reichten nicht als Zugpferd, weil auch von den Programmanbietern die eigene DSR-Verbreitung nahezu totgeschwiegen wurde.
1992/1993 gab es noch größere Hoffnungen für einen Ausbau von DSR. Die zunächst provisorische Verbreitung von DSR über TV-SAT hätte durch Wegfall des Interesses eines TV-Anbieters den für ihn reservierten, aber unattraktiven Transponder zu nutzen, durch die damals denkbare dauerhafte Nutzung breite Attraktivität gewinnen können, weil mit sehr kleinen Antennen auch ein Empfang hinter Fensterscheiben möglich war.

Nach 1995 wurden die Empfänger zwischen 150,- DM und 500,- DM verramscht, weil sich seit der TV-Sat-Abschaltung alle Hersteller aus der DSR-Geräte-Produktion zurückgezogen hatten und sich hartnäckige Gerüchte hielten (die zum Jahreswechsel 1998/1999 etwas verspätet bittere Realität wurden), daß diese Empfangsgeräte wertlos werden, falls die Telekom die DSR-Verbreitung auch über Kopernikus und Kabel aus Kostengründen nicht über den (ursprünglich medienstaats-)vertraglich abgesicherten Zeitpunkt 31.12.96 hinaus weiterführt, auch wenn zumindest einige Programmanbieter (z.B. Deutschlandradio, MDR Sputnik und im Dezember 1996 hat die ARD insgesamt ihr vorläufiges Festhalten an DSR bekräftigt) ihre Verträge bis zum 31.12.97 verlängert hatten. Genährt wurden diese Befürchtungen u.a. durch die negativen Erfahrungen mit der Telekom betreffs der handstreichartigen und ersatzlose Abschaltung (d.h. mit einer Vorwarnung von 6 Wochen!) des Satelliten TV-Sat/2, weil die privatisierte TELEKOM sowohl medienpolitische als auch finanzielle Unterstützung für TV-Sat/2 vermißte. Über diesen Satelliten war bis Ende '94 das DSR-Paket mit 19-cm-Mini-Satellitenantennen empfangbar.

Allerdings hätte es durchaus Chancen gegeben, daß DSR zumindest für das Kabel erhalten bliebe, da dort auch entsprechende Kanalaufbereitungen denkbar wären (aber vermutlich zu teuer waren) und andere Technologien für eine vergleichbare Programmvielfalt keinen adäquaten Ersatz bieten können und außerdem sowohl auf der Geräte-, als auch auf Programmangebotsseite nur unzureichend verfügbar sind. Die Telekom warb noch 1997 für ihr Kabel auch mit DSR, obwohl zwischenzeitlich mal immer wieder der Privatfernsehlobby nahestehende Medienpolitiker und sogar einige Landesmedienanstalten (inzwischen doch erfolgreich) forderten, DSR solle doch für zwei weitere zusätzliche analoge Fernsehprogramme Platz machen. Diesbezüglich hatte zuerst die Landesmedienanstalt von NRW bereits einen entsprechenden Beschluß gefaßt, nach dem die vom DSR genutzten Kabelkanäle S2/3 durch Fernsehprogramme zu belegen sind. Sowohl rechtlich (Schadensersatz Geräteinvestition), als auch technisch (es heißt, daß der Flugfunk durch in diesem Frequenzbereich Störwellen abstrahlende analoge Programme beeinträchtigt werden könnte, DVB-Pakete aber dürften den Flugfunk ebensowenig stören, wie DSR) hätte diese Entscheidung allerdings noch anfechtbar sein können und ich hoffte im Interesse der Kabelnutzer, daß die Telekom sich für die DSR-Hörer entscheidet. Diese Hoffnung war aber wohl vergeblich. Der Münchner Sputnik-Hörer-Club hatte im Interesse vieler auf DSR angewiesener zwangsverkabelter Radio-Hörer eine Protestaktion gegen die DSR-Verdrängung aus dem Kabel initiiert. Übrigens hielt ich auch die von der hessischen Landesmedienanstalt vorgeschlagene "Kompromißlösung", DSR ins Hyperband zu verlagern, für unzumutbar, da speziell viele TV-SAT2 geschädigte wegen des zu großen technischen Aufwandes, DSR über Kopernikus zu empfangen, auf Kabel-Empfang umgestiegen sind und deren für den Satellitendirektempfang konzipierte Geräte für den Kabel-Empfang ausschließlich einen starren 118MHz-Eingang besitzen. Eine Unterstützung vom Hersteller für einen Umrüstungssatz war auch nicht zu erwarten, da dieser nichts mehr von DSR wissen will!
Bis zum 15.Januar 1999 konnten DSR-Hörer ihre Geräte benutzen, jetzt sind sie ein Haufen Sondermüll. Schon länger schwebte der angedrohte Abschaltzeitpunkt wie ein Damoklesschwert in der Luft, das konnte man das indirekt aus einer Erklärung der Telekom schlußfolgern, die als Verfügbarkeitstermin der Sonderkanäle S2/S3 im Kabel für analoge Fernsehprogramme frühestens Ende 1998 nannte. Daraus konnte man folgern, daß eine endgültige Endscheidung über das Schicksal von DSR zwar noch nicht getroffen war, aber da neue Geräte so gut wie nicht mehr erhältlich sind, bestand nicht allzuviel Hoffnung für einen längerfristigen Fortbestand mehr. Und im Juni 1998 hat die Telkom die Katze aus dem Sack gelassen und die Abschaltung zum Jahreswechsel 1998/99 definitiv angekündigt. Mit einer Abschaltung rechnete ich eigentlich erst dann, wenn flächendeckend die gleichen Radio-Programme im DVB-Standard im Kabel verfügbar sind, wie mittels DSR und DVB-Empfänger zu einem zumutbaren Preis erhältlich sind. Das ist aber offensichtlich noch nicht der Fall, bis Dezember waren lediglich 4 der ehemaligen DSR-Programme im DVB-Modus empfangbar, darunter die beiden Programme des Deutschlandradios, die sowieso bundesweit analog im Kabel zu hören sind. Kurz vor Jahresende hat die ARD die meisten ehemaligen DSR-Programme auf (SWR2 fehlt wohl noch oder wurde wieder abgeschaltet?). Für Satelliten-Radio-Hörer ist seit längerem ADR trotz Datenreduktion die bessere Alternative. Und die Kabelkanäle S2/3 werden meines Wissens immer noch nicht wieder genutzt.

Laut Telekom hatten sich alle Programmveranstalter mit der Telekom auf die Einstellung von DSR zu Jahresende 1998 "geeinigt". Die Interessenslage der Programmanbieter war aber offensichtlich nicht so einheitlich (wie auch ein ausführlicher Bericht im Radiojournal von Januar 99 beschreibt), aber klar schien wohl, daß die Telekom für den Weiterbetrieb unverhältnismäßig höhere Gebühren als bisher von den Programmanbietern forderte und die wenigen, welche vielleicht auch diese erhöhten Kosten bereit gewesen wären zu zahlen, hätten dann auch die der absprindgenden Anbieter mittragen müssen....
Unter der Telekom-DSR-Hotline 08003738393 hätte Protest angemeldet und detailliert nachgefragt werden können. Dort erfährt mensch auf Nachfrage auch eine Adresse für Schadensersatzforderungen (Kopie vom Kaufbeleg beifügten). Hotline-Auskunft: "Die Telekom ist eigentlich nicht Schadensersatzpflichtig". Sinnvoll hätte ein guter Rechtsanwalt sein können, um mehr, als die voraussichtlich zu erwartenden Kulanzzahlungen für neuere Geräte (ab Baujahr1996) durchzusetzen. Falls sich jemand zu einem Musterprozeß entschließen sollte, ich würde an dieser Stelle gern darauf hinweisen... Einige sehr engagierte Protestseiten hatte Martin Müller zusammengestellt, die inzwischen durch einen Nachruf ersetzt wurde...
Außerdem hatte sich vergeblicherweise eine Initiative zur Rettung von DSR gegründet....

Wem trotzdem ausführliche Informationen über technische Spezifikationen des DSR-Übertragungs-Standards interessieren, der kann beim Institut für Rundfunktechnik ein gedrucktes Werk bestellen.


Nachtrag aus dem Jahre 2002: In der Schweiz gab es seit den 90-er Jahren ein nur über Schweizer Kabelnetze verbreitetes DSR-Paket, das zwar inzwischen dort von größeren Kabelnetzbetreibern auch abgeschaltet wurde, aber angeblich bei einigen kleineren Betreibern weiterhin zu emfangen sei.


Das ehemalige DSR-Programmangebot und jetzige Empfangsmöglichkeiten der Programme

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© Hagen Kliemann 1995 bis Januar 1999, geringfügige Ergäzungen 2000 und 2002
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